Buchstabendesigner an´s Werk!

April 16th, 2012

Es fehlt noch ein Buchstabe für einen Laut, den wir in der gesprochenen Sprache hin und wieder verwenden, typischerweise in Gesprächssituationen, in denen der Gesprächspartner etwas von ihm als problematisch empfundenes zu bedenken gibt, das man aber lässig an sich abprallen lässt, indem man die Lippen aufeinander legt und dann schnell Luft hindurch stößt, wodurch die Lippen flattern und dabei diesen charakteristischen Laut erzeugen, zu dem mir jetzt ein passendes Zeichen fehlt, um es ohne langes Herumgeschwafel zu bezeichnen, und der manchmal überzeugender rüberkommt, als jede noch so ausgeklügelte Argumentation. Der Laut fängt zwar mit p an, aber für das Flattern, das dann kommt und das ja das Wesentliche an dem Laut ist, gibt es noch keinen Buchstaben. Also - Buchstabendesigner, frisch an´s Werk!

Zur Diskussion

Es gibt eine Sendung im Deutschlandfunk, die kommt immer Mittwoch abends , die heißt Zur Diskussion. Diesmal haben sie über Israel und Iran geredet, über geopolitische Strategien. Ich kann mich wunderbar entspannen bei solchen Sendungen. Dass ich besonders konzentriert hinhören würde, kann ich nicht behaupten. Nein, eher dezentriert, eher lasse ich die Gedanken schweifen, lasse die Gedankenluftballons steigen. Zwischendurch höre ich auch immer mal wieder genauer hin, was diese kompetenten Herren sich zu sagen haben, aha, interessant, nee, meine ich gar nicht ironisch, ich schalte die Sendung ja bewusst und gezielt ein, aber eben nicht mit dem Anspruch, die ganze Zeit gedanklich am Ball zu bleiben, das gelingt mir ja auch bei Fußballspielen nicht, und auch nicht bei Krimis, sondern mehr in dem Wissen, davon angenehm angeregt zu werden, auch einfach, weil ich diesen Soundteppich der Stimmen gern um mich habe, aus dem immer mal wieder prägnante Begriffe aufblitzen, die einen dann doch noch begleiten. Man lässt es laufen, weil man das Gefühl hat, es stimmt so. Ich mag zum Beispiel auch die knarzige Altmännerstimme von diesem Peter Philipp, der diesmal die Moderation inne hat, aus der seine Lebenserfahrung spricht. Und er hat sich ja auch eine wirklich illustre Runde von Fachleuten eingeladen, zum Teil ins Studio, zum Teil zugeschaltet, mit denen er da fachsimpeln kann. Das hat ein bisschen was von einem Club älterer Herren, die sich schon lange kennen und die sich regelmäßig an einem Abend in der Woche zum Schachspielen und Fachsimpeln treffen, oder so ähnlich. Constanze Stelzenmüller hätte noch ganz gut in die Runde gepasst, die kennt sich mit so geostrategischen Fragen ja auch ganz gut aus. Und dann ist die Sendung auf einmal an einem vorbei gerauscht. Auch okay. Ich gehe noch schnell zum Lidl, Kaffee holen, bevor der zu macht.

alles

Immer wenn der Name Luhmann fällt,  sagt Stefan: Wer alles beschreibt, läuft Gefahr, nichts zu beschreiben.

Mag sein. Aber wenn man´s gut macht, hat man die Gefahr umschifft.

Also, ich mag Luhmann, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sogar mehr. Ich weiß ja, dass er mit seinen Texten viele (auch Gutwillige) zur Verzweiflung bringt, viele entnervt das Weiterlesen aufgeben lässt, und viele gleich achselzuckend kalt lässt. Die Leute wollen halt schnelle Effekte, wollen plastische und drastische Darstellungen. Mit dieser Gier wird man natürlich bei Luhmann nicht fündig und auch nicht glücklich. Dann muss man sich eben anderen Dingen zuwenden - die die Gesellschaft ja auch massenhaft bereit hält. Also, jedem das Seine. Aber mir nur das Beste, zwinker, zwinker, und Prost! Und ab die Post!

Nein, man muss ja auch nicht Luhmann lesen. Es sei denn, es stört einen, dass man dann später in die Hölle kommt… oder, sagen wir , etwas verniedlicht: in Teufels Küche. So, und jetzt könnt ihr mich auch mit Fug und Recht einen Fundamentalisten schimpfen!

Pikachu

Seit vielen Jahren habe ich ein Pikachu an der Wohnungstür. Jetzt hat irgend jemand ein Pikachu gezeichnet und in den Hausflur geklebt. Witzich.

nicht nichts

Reset! Zurück zum Leerzustand, lautet die Devise, aber gleich korrigiert man sich, weil man genau weiß, dass der spontan als Leerzustand bezeichnete Zustand in Wirklichkeit kein Leerzustand, sondern einer ist, in dem das auf einen wartet, was einem wirklich wichtig ist. Es ist ein reduzierter Zustand, einer, der sich auf das Wesentliche beschränkt. Manchmal ist weniger mehr. Ich kann die Dingwelt nicht mehr ertragen!, sagte Zebu. Und hatte es tatsächlich fertig gebracht, in seinem Zimmer fast keine Sachen zu haben. Ich weiß gar nicht, wie er mit bürgerlichem Namen hieß. Er hatte sich mit Dirk eine Wohnung und einen orangen Golf geteilt. Theatermensch. Zebu, wo hast du deine Sachen versteckt? Braucht der Mensch Sachen? Das frage ich Dich!

Alle möglichen Konstellationen fliegen durch die Luft, Konstellationen der Leistungsgesellschaft.

Ich wollte mich jetzt eigentlich gar nicht darauf einlassen.

Die grüne Insel

Sumpfpfade

Trockenheit

Wahrheit

Widrige Umstände? Na, immer her damit! Na gut, ein gewisses Maß sollten sie vielleicht lieber doch nicht überschreiten. Aber ansonsten - gilt doch der alte Spruch Was uns nicht umhaut, macht uns nur stärker! Kann man doch wunderbar daran reifen. Café Widrige Umstände. Widerlich! Küsschen! Fight for your right! to paaar-ty! Der Körper ist wie ein Tier. Aber im Unterschied zu den Tieren - sind wir ja nicht nur Körper - oder? Muss alles immer wieder neu bewiesen werden? Auf A- und B-Wiesen? Und auf steinernen Plätzen, in Wüsten, Oasen und Kloaken, von Kosaken und Mackern und magersüchtigen Models und Loddls, auf Radio Lollipop, pop-pop-pop music.

urbi et orbi

oder:

Bibo und Grobi

in der Wüste Gobi

Man will doch nur, dass es irgendwie schlüssig wirkt, was man macht, dass es einleuchtet.

Es ist gut, verschiedene Meinungen zu hören. Und zu erleben, dass alle diese möglichen Meinungen, die so in einem herum spuken, auch tatsächlich von echten Personen vertreten werden, gelegentlich. Und von solchen waren sie ja wohl auch mal in einen rein gekommen.

Inzwischen sind natürlich an diversen Orten, an denen man so ein und ausgeht, besonders zu nennen wäre da beispielsweise der Arbeitsplatz, schon wieder neue Sachen passiert. Und die harren jetzt also quasi eines Nachziehens der kognitiven Verarbeitung. Sie wollen verstanden werden. Das ist dann für alle besser. Zum Beispiel für die, die da im Büro auftauchen. Die vor Glastüren stehend auf Einlass warten. Die, die sich in Listen eintragen, für die, die backen, für jenen Mann, der da über den Hof geht, mit einem Müllsack, der mal von weit her kam, Sporthalle, Hand, die zur Sporthalle weist, quer über den Hof, der Weg führt vorbei an steinernen Tischtennisplatten, an Kletterbäumen und Nichtkletterbäumen, an Kletten und Träumen, an ausgehobenen Schächten, freigelegtem Wurzelwerk, Blätterwerk, an Geäst, an Gestühl, und an einer Mühle. Und an einer Kanüle. Und an einem Kanal. Und an einem Kamel. Und an Knete. An einem Knoten. Und an Koyoten und Kolibris. An Kulis, an Kofferträgern, an Füllern und Fühlern. Und natürlich an Schülern. Einer schaut einen fragend an. Ein anderer kommt über das Stoppelfeld gehastet.

Manche Tage betrachtet man als Vorbereitung

Gong))),

Gong))),

Gong))) -

So tönte es von der Matthäuskirche. Die Kirchturmspitze zeigt in den Himmel, der Zeigefinger zeigt auf den Kirchturm, wo der Klang her kommt, und nicht nur der Gongklang kommt, sondern auch Herr Dembele kommt, unten auf den Hauseingang zu, schaut hoch, und da wir uns grüßen, fragt Philip: Wie heißt er? Und da ich nur den Nachnamen weiß, sage ich: Du kannst ihn gleich fragen, er kommt hier gleich vorbei, und da taucht er auch schon auf dem Treppenabsatz auf, der zu dem Treppenhausbalkon führt, auf dem wir stehen und in die Gottschedstraße hineingeschaut haben, die orthogonal auf den Possmoorweg trifft. Hallo! Wie heißt du? - Ousmane. Und du? - Philip. - Und wie alt bist du? - Fünf. - Fünf schon? Du hattest mir von ihm erzählt, als er geboren wurde. - Stimmt, da hatten wir uns mal an der Grindelallee getroffen, wo er gerade aus einem Lieferwagen stieg. Kommt mir vor, als wär´s letzte Woche gewesen. Kinder, wie die Zeit vergeht…

Es ist alles ein Tanz

April 7th, 2012

Rea-Lisa Zion

Es ist alles ein Tanz:

Die Möglichkeiten ausloten

Sich erinnern an ein Vorhaben

Die Dinge im Raum wahrnehmen

Sich erinnern

Ausblicke werfen

Schon abgestecktes

Vorgenommenes

Von Außen

an einen heran

getragenes

Getragenes, Gesungenes, Getanztes

Angedeutetes

Verbogenes

Verbeugtes

Zeug, Blech, Glanzstücke, Perlen

Werte, Gesellschaft, Transformation

Gesellschaft im Wandel

Daran beteiligt sein

Eilen, gleiten, pfeilartig

verrückt, verquer

Querbalken, Querstreben, Trassen, Traversen

Tassen im Schrank

Latten am Zaun

Dachlatten, Dachpappe, Wellblech, Favelas

Dom Helder Camera:

jemandem wiederbegegnen,

in einem Radio-Interview

zum Thema Fair Trade - das ist fairtradebar -,

den man selber mal interviewt hatte, vor - ?

23 Jahren,

mit dem Brasilienkundeinstitut unterwegs

in einem Kloster Station gemacht,  dort übernachtet

und Mönche interviewt in Brasilien,

mit Fledermäusen, die plötzlich

aus dem Toilettenzimmer herausgeflattert kommen,

wenn man die Tür aufmacht, nachts,

auch das ist gerade noch fairtradebar

Hohe Räume

Brüderschaft getrunken mit einem Heribert,

in einer Schnapslaune -

Ob der wohl noch lebt?

Und einer von diesen Mönchen kannte sogar Sankt Augustin

Und die Tatsache, dass es alles

ein Tanz ist,

hat sogar eine angenehme

Wirkung auf die Muskulatur

Sieh selbst

Und jetzt

Vorhang auf

Der Tag

hat doch schon längst begonnen

Welchen Monat haben wir jetzt?

April

Klingt gut

.

Alles wird einbezogen

Nichts wird ausgeklammert

Das sähe dann wohl so aus:

)Nichts(

.

Die zentralen Aufgaben

des Zufalls in der Evolution

.

Halt

Bevor ich dies tue,

Tu ich jenes

Oder, noch besser…

Und das dann auch noch

auf einem Bein

.

Ist Dir schon aufgefallen?

Manchmal ist es so

und manchmal so

Komisch, oder?

.

FLAMENCO

.

In mir ist ein Entschluss gereift

Ich werde heute zu dem Perser mit dem Cowboyhut gehen

Hamid

Sonntag, 25.März 2012

März 27th, 2012

 Wir waren losgezogen zum Sterne gucken. So war´s. Ja. War echt so. Und ich wusste, heute würde irgendwas besonderes passieren. Und wir so, fahr, fahr. Beim Borgweg wollte Philip in diesem Feinkostladen, dessen Chef auch im Durchschnitt wohnt und bis vor kurzem noch so einen Mercedes von 1975 hatte, unbedingt Chips kaufen. Also gut, ausnahmsweise. Zum Planetarium geradelt, Karten abgeholt, und da wir früh dran waren, noch auf den großen Spielplatz. Philip rief gleich freudig aus, dass wieder Wasser im Becken sei, ist dann zum Schiff gerannt. Ein alter Mann fiel um, ein Krankenwagen wurde gerufen, kam, transportierte ab. Ich holte Philip beim Schiff ab, weil die Vorstellung bald anfangen würde. Reihe 2, Platz 22 und 23. Kleiner Stern im großen All. Ein gestandener Hamburger spricht lässig die einführenden Worte, dann geht´s los. Ein kleiner Stern schaut sich im All um, stellt dann fest, dass er nichts besonderes ist, was ihm die anderen Sterne auch signalisieren, ist ein bisschen enttäuscht, aber trotzdem sehr neugierig. Wissbegierig. Interessiert sich für die Eigenschaften der anderen Sterne. Lernt. Die unfassbaren Dimensionen des Universums gehen ihm und dadurch auch den Kindern im Publikum auf und auch die Erwachsenen werden wieder daran erinnert. Er versteht, dass er Planeten hat, die um ihn kreisen, lernt deren Eigenschaften kennen. Entdeckt die Erde, deren Leben sie und damit ihn, den Stern, bei dem es sich, wie sich jetzt heraus stellt, um die SONNE handelt, eben doch zu etwas ganz besonderem macht. Er, also sie, versteht jetzt, dass gerade ihre ach so durchschnittlichen Eigenschaften (nicht besonders heiß, nicht besonders kalt, nicht besonders groß, nicht besonders klein (alles im Vergleich zu anderen Sternen)) genau sie, die Sonne, dafür geeignet machen, das Leben auf der Erde zu ermöglichen.

“with the wind in the willows  and the birds in the sky 

there´s a bright sun to warm us  wherever we lie”

Und sie hat dann geschienen, die Sonne: Der Stadtpark war auf einmal proppenvoll mit Menschen, als wir wieder dort hin kamen, nach einem Abstecher zum Mühlenkamp (Tortellini) und auch der große Spielplatz war üppig bevölkert. Philip wieder zum Schiff, dann zur Ritterburg, und dazwischen, als er in ein Spielhaus geschlüpft war, ich den Duft der Sonnencreme einatmete und gerade einen Anruf bekam, erkannte ich plötzlich Britta, die mit ihren Freunden an einem Holztisch saß und auf einmal während des Gesprächs aufgeregt in unsere Richtung zeigte

DAHERGELAUFENER TYP IM FRÜHLING

Keine Anklage gegen Busen-Arzt: Wird der Tod von sexy Cora nie gesühnt?

März 23rd, 2012

Heute morgen war ich mal der allererste Kunde bei Edeka. Herr Hernandez (Sie können ruhig Herr Nandez zu mir sagen!) war da voll am rumgähnen und gab auf meine besorgte Nachfrage hin zu Protokoll, er habe nicht nur zu wenig, sondern überhaupt nicht geschlafen. Und ein Saubermachmann, der mit seinem Reinigungswägelchen durch die Gänge fuhr, kam strahlend auf mich zu und begrüßte mich mit Hey, Meister, wie geht´s dir?, schüttelte mir auch gleich die Hand und während ich noch überlegte, ob und wenn ja woher ich ihn kennen könnte, erkundigte er sich schon, was ich so beruflich mache und wollte das dann auch ganz genau erklärt haben. Dann sprang mich die Bild-Schlagzeile an: Keine Anklage gegen Busen Arzt: Wird der Tod von sexy Cora nie gesühnt?!  Das wirkte irgendwie, als würden sie´s (vielleicht auch mit Blick auf plötzlich gesunkene Verkaufszahlen) schon bereuen, das Seite-1-Girl abgeschafft zu haben und würden es jetzt quasi durch die (thematische) Hintertür wieder herein holen. Dann, auf dem Rückweg, plötzlich ein Kloakengeruch auf der Straße, im ersten Moment unangenehm, war auch nach ein paar Schritten wieder weg, aber im zweiten Moment weht eine Erinnerung hoch an irgendwelche großen Städte in südlichen Ländern und an Glück, und zack - verwandelt sich das Eklige in etwas Schönes - oder das Eklige gibt Anlass, an das Schöne zu denken, wie auch immer. Dann, in der Bahn, ein Zugführer, der an zwei Stationen hintereinander über Lautsprecher irgendwelche (Möchtegern)Fahrgäste draußen anschnauzt, sie sollten gefälligst ZURÜCKBLEIBEN!, die Türen seien GESCHLOSSEN!, und von der Bahnsteigkante ZURÜCKTRETEN! - DAS GILT AUCH FÜR SIE!, brüllte er in sein Mikrofon, was ein allgemeines Gelächter im Waggon hervor rief und eine Frau gegenüber von mir sagte lachend: Schade, dass ich jetzt aussteigen muss, das wird bestimmt noch lustig!

Als ich dann bei der Arbeit an kam, meinte Matthes, ein Vorschulkind, zu mir: Du siehst ja heute aus wie ein Herr! Willst du zu einer Revolution?

Nach dem Mittagessen dann, als wir auf der steinernen Tischtennisplatte in der Nachmittagssonne saßen, kam er mit dem großen Kettcar angefahren, bremste vor der Tischtennisplatte ab und sagte: Steig auf! Wo soll ich dich hinfahren?  Ich stellte mich hinten auf die Trittbretter, hielt mich am Sitz fest und sagte: Ach, setz mich einfach bei der nächsten Revolution ab! 

Verrat an der Welt

März 22nd, 2012

Herr Timmermann geht über den Hof

Gavin im Clinch mit Lina

Gwen lacht ihr Hexenlachen

Julians Mutter sagt zu Fina, ihre neue Frisur erinnere sie an Nena

Fina: Da hab ich nichts dagegen

Rufus stellt einen Rekord auf

Marten wohnt hier mit seiner Familie

Michi erzählt, wie es früher hier war

Jens will ************* werden

Sven sagt, er habe zu viel Kaffee getrunken, macht mit der Hand aufgeregt Zitterbewegungen, trinkt dann noch einen

Ist Gabi die Mutter von Jan? 

Fina nickt. Ihre lachende Gegenfrage Ähnlichkeit? ist sichtlich rhetorisch gemeint

Zwischen was und was pendelt man? Und wie entschlossen oder unentschlossen ist man wann, unter welchen Bedingungen? Wie lassen sich gute Bedingungen herbei führen?

Was ist das? 

Das ist von Kalle Lagerfeld. Aber ich habs noch gekauft, bevor er seine abfällige Äußerung über Adele gemacht hat, das wollt ich noch mal betonen

Die Menschen lieben es übrigens auch, die Absolution erteilt zu bekommen

Bude gebaut

Habe diesmal nicht den üblichen Weg vom Bett zum Bad genommen, sondern, weil die Öffnung so geheimnisvoll und verheißungsvoll aussah, den Weg durch Philips Bude genommen, die er sich am Sonntag nach dem Planetarium aus Matratzen und Bettlaken gebaut hat und mit Kissen, Decken, Büchern, einem Bild, einem Teller und einer Schale mit Nüssen eingerichtet hat, und von oben baumelt sogar eine Lampe in die Bude hinein, die man aber von außen anmachen muss, und so hat er, Friedrich Schneider, so sein Spielname, seinen Nachbarn Dennis Jajuut manchmal gebeten, die Lampe an- oder auszuknipsen, habe also den Weg durch die Bude genommen, und als ich drin war, von innen aus zum Bett und über das Bett aus dem Fenster geschaut, also seine Perspektive eingenommen, aus der er mich gesehen hatte. Das gehört ja schließlich zu unserer Profession, auch mal die Perspektive des Kindes einzunehmen. Das hatte doch auch Gabriela belustigt hervorgehoben, dass Philip im Spiel mit Luca Friedrich heißen wollte, das fiel mir jetzt dazu ein.

Schwieriges Kind

Wenn dann aber wirklich mal ein wirklich schwieriges Kind daher kommt, dann ändern alle überlieferten Rezepte nichts grundsätzlich an der Situation, können allenfalls in konkreten Einzelsituationen helfen, den Schein zu wahren, man habe die Sache im Griff. Regeln sind gute und praktische Hilfsmittel, sie gehören zum Handwerk, auf sie kann man sich immer berufen und über sie kann man leicht Verbündete finden. Nur an den Kern des abweichenden Verhaltens führen sie einen nicht heran. Dazu muss man zur Kunst übergehen. Wirklich grundlegend verändert werden kann die Gesamtsituation nur, indem man nach der Methode trial&error nach und nach speziell sein eigenes (also je mein eigenes) Verhältnis zu speziell diesem Kind heraus findet und auf diese sich nach und nach aufbauende und korrigierende Erkenntnis nach und nach auch alles Handeln und Kommentieren aufbaut.

Verrat an der Welt

Man sollte aber nicht zu sehr in eine bestimmte Richtung gehen. Denn das wäre Verrat an der Welt als Ganzem. Beziehungsweise an der Vision von der Welt als etwas Ganzem. Wir sollten daran arbeiten, dass die Welt überhaupt zu etwas Ganzem wird. Und nicht nur viele Teile, die nicht so recht zusammen passen wollen - das sollte nicht der Fall sein. Höchstens mal zwischendurch. Aber in den Glanzmomenten doch wohl eher nicht. Nein: Die Teile sollten so platziert werden, dass sie zusammen passen. Ich glaube, das geht. Wie so ein Puzzle. Klingt banal. Aber -

Na ja, ist ja nur so eine Idee.

Ich habe fertig

DAHERGELAUFENER TYP IM FRÜHLING MIT FAHRRAD AN DER WELT

Auf frischer Fahrt ertappt

März 16th, 2012

Auf frischer Fahrt ertappt, aber gewappnet mit Lappen - läppisch? Doch wohl eher nicht, wenn ich bitten darf! Herrschaftszeiten!

Und plötzlich war es Frühling geworden.

Und plötzlich warst Du erwachsen geworden.

Wenn man sich in ein Rollenschema einfügt und die Rolle überzeugend spielt: das macht die Leute glücklich - diese Erfahrung kann man doch immer wieder machen, schmunzel, schmunzel.

Man ist dabei und gibt seinen Senf dazu.

So ist es doch

Und es ist gut

Wir waren im Stadtpark

Wir hatten über Filme geredet, Delfina, Michi und ichi, bevor wir losgingen, es ging darum, was und wie viel man sich merkt von einem Film, wie aufmerksam man zuschaut und was früher anders war, als man als Kind oder als Jugendlicher Filme geschaut hat, wie viele Details man sich da merken konnte, wie man eine Filmhandlung - oder auch die Welt allgemein - aufgesogen hat, noch nicht so voll gestellt war mit Festlegungen und Filtern und Tunnelblicken und Pflichten, echten und vermeintlichen - Diskussionsstoff also zuhauf. Vorher, als ich den Raum betrat, sprachen die beiden (tischwischend) über Schmerzmittel.

Jetzt geht mir die ganze Zeit dieses Lied durch den Kopf, das ich eigentlich bescheuert finde, aber Fina hatte es mir auf ihrem Handy vorgespielt, irgendwas mit Fly - to - the motherland, und da hört man es sich halt aus Höflichkeit auch noch ganz an, wenn die nette Kollegin sagt, dass sie das so toll findet, auch wenn man beim Radiohören sofort weitergeschaltet hätte, und bekommt so natürlich direkt einen Bezug dazu, ja, sogar einen Zugang, und dann hört man es später irgendwann wieder mal im Radio und sieht es plötzlich in einem milderen Licht und schaltet nicht weg, sondern hört es sich einfach noch mal an und denkt so was wie Ja, sie braucht das wohl, ist doch okay, presst dabei die Lippen kurz zusammen und nickt vor sich hin…

Der Mann, an dem ich gerade vorbei gehe, dreht sich zu seinem Hund um und ruft: Bootsmann!

Ich hatte die Informationen am Morgen gehört, einen Kaffee getrunken, die Vorhänge aufgezogen, wegen der besseren Aussicht und war durch diese drei Vorgänge in den nächstwacheren Modus hineingerutscht, und es dauerte nicht lange, da bekam ich Lust, zu duschen. Die Geigen schmetterten und unten lieferten sich zwei Hasen eine Verfolgungsjagd im Kreis. Ein Politikwissenschaftler wurde zu seiner Untersuchung befragt, in der es um die Frage geht, welche Faktoren zusammenkommen müssen, bis die Weltgemeinschaft in einem Konfliktgebiet eingreift.

Windiges Überbleibsel von Buxtehude unter dem Baldachin Emmanuele gespannt das nasse Segeltuch,

Leinen, Rost, Entfernung, Dirne,

Stirn, geleckte Schande und Glanz,

aufblitzend, das Pfeilgewitter,

auch das geht vorbei,

und zwar an uns,

in aller erdenklichen

Dürftigkeit

Pulsadler,

aufflatternd,

die entberliche Ehrenrunde

Eingeheimste Verbitterungswarenwelt

an der Trambahnhaltestelle Cuxhaven Nord: abgedankter Altchinese, mit Barbaldachin, verwest, neuverschraubt die Hütegalerie von seiner Frau, dem Pfau mit V, als Allergologie getarnte Springmausoper von Steffen Richter, Vorbote des Bollwerks von Neuruppin, ein bisschen ruppig beim Kennenlerntermin mit Ortshistoriker, pittifalkal in die Staubatemgallenlaube gezwängt: das Fahlschema, durch den Hinterhausflur in das Katastrofalk eingegangen

Zwei Tagesmütter mit fünf oder sechs kleinen Kindern gehen unten an der Bootswerft vorbei. Ich hatte nur nachgeschaut, weil ich eine helle Frauenstimme rufen hörte:

Isabella, wir wissen nicht, was da drin ist… 

und dann, nach kurzer Pause:

Pass mal auf: Wenn wir etwas nicht kennen…

Tagesanzahlhorden, Leberhorden, Geständnisse

Neuüberhachingen steht auch kurz vor dem Aus. Also, wem kann ein Vorwurf gemacht werden?

Unter den Opfern sind auch Lehrer und die beiden Busfahrer.

Na! Gerade nochmal um´s Leben gekommen, was?

Die Walliser Behörden haben vollständige Transparenz bei der Aufklärung der Tragödie zugesagt

Informationen von Hansjürgen Maurus

Spezialisten untersuchen mittlerweile das Wrack, um neue Erkenntnisse über den Unglückshergang zu gewinnen.

Was ist das: Schmeckt nach Sahne, riecht ironisch, fühlt sich farbig an, durchmischt und wächsern und wachsend, sieht hölzern aus und klingt wie altes Leid, vergangenes, verhangenes, wehendes, ein wechselndes Etwas im Schiebelicht, leicht und bombastisch, spastisch verkabelt und gehebelt auf fragwürdige Weise befangen, Sie kennen das sicher auch: Naja.

Und jetzt bin ich müde und mache das Licht aus.

Am Morgen dann: Malerischer Nebel über den Gewächshäusern/ Sonnenaufgang auf frischer Fahrt/ Reh im Nebel an den Teichwiesen -

Und plötzlich warst Du mir entwachsen

Die Verkäuferin

März 9th, 2012

Lieber g.org,

Vielen Dank für Deinen Kommentar. Tut mir leid, dass die Aufzählung diesmal etwas wirr war. Aber das Peter-Scholl-Latour-Interview heute im Deutschlandfunk zu Syrien klang auch reichlich wirr. Vielleicht wirst Du ja hieraus schlauer:

Hosenkauf. Eine Erregung.

Der erste Versuch war am schlechten Angebot gescheitert. Ich war aus Gewohnheit zuerst in den Second-Hand-Laden an der Max-Brauer-Allee gegangen, wo Marjorie mal gearbeitet hat. Früher hab ich da immer was gefunden, aber jetzt haben die ja nur noch Schrott. Oder liegts daran, dass sich meine Ansprüche geändert haben, oder mein Geschmack, oder beides? Jedenfalls habe ich den ersten Versuch, eine Hose zu kaufen, schließlich entnervt abgebrochen.
Am zweiten Tag sah ich in der Bahn einen Prospekt herumliegen: 100 Jahre Alsterhaus, 20% Rabatt auf alles - das gibt´s nur alle 100 Jahre! Ich dachte: Am Jungfernstieg muss ich sowieso aussteigen, da kann ich ja mal ins Alsterhaus schauen - gucken kost´ ja nix.

Wow - ganz schön schnieke hier, dachte ich, als ich rein kam und erst mal im Eingangsbereich die Körperpflege- und Parfumabteilung durchqueren musste. Exklusive Flakons, erwartungsvoll herumstehende elegant gkleidete Verkäuferinnen. Da erinnerte ich mich an einen Tag vor ca. 10 Jahren, als ich hier das letzte Mal war und mich eine Parfum-Verkäuferin im Vorbeigehen angesprochen hatte: Sie wolle mir mal einen Duft vorführen. Sie sprühte mir dann zielsicher zwei Düfte von Dior auf einen Teststreifen, wobei sie die Flaschen verschwörerisch unter der Ladentheke hervorgeholt hatte: Bois d´Argent und Blanche hießen sie. Ich hatte diese beiden nie zuvor und nie danach wieder gesehen. Sie standen da auch nirgends herum. Und ich habe später mal in einer anderen Douglas-Filiale danach gefragt und die Verkäuferin sagte nach  kurzem Nachdenken, ja, das gebe es tatsächlich nur im Alsterhaus. Ich habe dann noch oft an diesen Teststreifen geschnuppert, der Duft hielt sich auch noch erstaunlich lange. Besonders dieses Bois d´Argent hatte es mir angetan. So was hatte ich noch nie gerochen. Irgendwann war der Duft verflogen. Geld hatte ich für so was nicht gehabt. Aber es war ein ganz besonderes Erlebnis. Die Welt der Gerüche ist ja auf ihre Weise durch nichts zu toppen.

Aber ich wollte ja jetzt eigentlich von Hosen reden. Also weiter in die erste Etage. Einmal rundherum und die Farben des Frühlings taxiert. An diesem Tag hatte ich wenig Zeit, weil ich Philip noch vom Kindergarten abholen musste, ich wollte mir nur kurz einen Überblick verschaffen. Hängen geblieben war in meinem fotografischen Gedächtnis dabei eine leuchtend hellblaue Hose von Joop, die mich in den folgenden Tagen in meinen Gedanken so hartnäckig verfolgte, dass ich dann am Donnerstag nach dem Ausflug nach Gut Wulfsdorf (Beobachtung sich paarender Rinder, riesiger Schweine, etc.), als ich wieder am Jungfernstieg aussteigen musste und diesmal ein bisschen mehr Zeit hatte, weil die Oma mit dem Sohn zur Uroma gefahren war, also wieder durch die Parfumabteilung lief, in der natürlich wieder die Bois-d´Argent-Erinnerung von mir Besitz ergriff und mit dem Gedanken Das gibt es nicht mehr, das ist vorbei verscheucht wurde, während ich mich schon von der Rolltreppe in den ersten Stock hoch tragen ließ, und als ich mich dort umschaute, um mich zu orientieren, blickte ein in der Nähe stehender Verkäufer aus seinem Gespräch mit einem anderen Verkäufer auf und fragte: Kann ich Ihnen helfen? Das werden wir ja sehen. Auf seine Erklärung Einfach geradeaus bis zu dem großen Fenster da hinten fand ich jedenfalls mühelos die von mir erfragte Joop-Ecke. Die Hose aus meiner Erinnerung leuchtete mir nun also wieder in echt entgegen, nur eben nicht in meiner Größe, woraufhin ein auch hier wieder dienstfertig aufgetauchter Verkäufer mir einen alternativen Hosenvorschlag unterbreitete, doch auch dieser erschien mir nicht alternativlos, und die von ihm vorgeschlagene Hose erachtete ich auch nicht als systemrelevant. Die Hose habe ja eine ähnliche Farbe, wie die andere, so er, und ich (Denkblase): So leicht kriegt ihr mich nicht. Der angeblich ähnliche Farbton ist in meiner Wahrnehmung zumindest so sehr anders, dass er das, was die Farbe der ersten Hose für mein Bewusstsein bedeutet, überhaupt nicht ausdrücken kann. Also entledige ich mich mit höflichen Floskeln des Verkäufers und wandere weiter. Ich muss ja auch keine Hose kaufen, nicht auf Teufel komm raus, ich habe ja noch Hosen, die sind zwar alt, aber noch nicht durchlöchert, jedenfalls noch nicht sehr.

Aber bevor ich die Rolltreppe wieder hinunter fahre,  - um wieder von Dufterinnerungen durchweht mich daran zu erinnern, dass diese Dufterinnerungen ja bei genauerem Nachdenken keine Dufterinnerungen sind, sondern nur die Erinnerung daran, was jener Duft damals in mir ausgelöst hatte, an den Duft selber kann ich mich nicht erinnern, das ist traurig, ich kann den Duft mit der Kraft meiner Erinnerung nicht simulieren, ich würde ihn wohl wiedererkennen, wenn ich ihn wieder riechen würde, dann würde ich wissen, dass er das ist, einen Duft kann man ja nach Jahrzehnten wiedererkennen und glücklich sein dabei, aber sich sinnlich erinnern an sein Eigentlichstes, wenn er nicht da ist, geht nicht - , entdecke ich noch eine andere hellblaue Hose. Die gibt es diesmal fast in meiner Größe: in einer, die ich mal hatte. Anlässlich dieser dritten Hose hat ein dritter Verkäufer begonnen, mit mir zu kommunizieren: Er schlägt einen Gürtel vor. Den Gedanken an die nächstengere Größe, die er ja von diesem Modell gar nicht zu bieten hat, versucht er mir mit dem Hinweis zu verscheuchen, die sei dann ja eventuell sogar ein bisschen zu eng, ich sei wahrscheinlich genau dazwischen, zwischen den Größen, und da sei es doch das beste, einfach diese zu nehmen und sich mit einem Gürtel zu behelfen. Als ich die Hose, die ich eben anprobiert habe, in der Hand wieder aus der Kabine komme und er meinem Verhalten offenbar keine Kaufentschlossenheit entnehmen kann, macht er mir, um mich nicht zu verlieren, noch schnell einen Alternativvorschlag - wieder eine angeblich änliche Farbe, diesmal auch noch ein anderer Stil.

Seine Kollegin, mit der er ein Gespräch unterbrochen hatte, als er auf mich aufmerksam geworden war, klinkte sich erst jetzt in unsere Kommunikation ein, mit der scheinbar beiläufigen Bemerkung, das sei ja etwas völlig anderes, und aus dieser Bemerkung sprach eigentlich das Erkennen der Hilflosigkeit der verkäuferischen Bemühungen ihres Kollegen, und schon war sie ein paar Schritte gegangen, zu einem anderen Regal, und was sie nun tat, war: Sie machte ihre Arbeit. Ist doch eigentlich selbstverständlich, werdet ihr vielleicht sagen. Aber sie machte sie WIRKLICH. Sie tat nicht nur so, als würde sie ihre Arbeit machen, wie das Millionen andere tagtäglich tun, sondern sie machte sie TATSÄCHLICH. Das ging alles sehr schnell, oder - ich weiß gar nicht, wie schnell oder wie langsam es ging, wenn ich ehrlich sein soll, auf jeden Fall, so rekonstruiere ich aus zeitlichem Abstand, muss sie instinktiv eine andere beiläufige Bemerkung, die ich gegenüber dem Verkäufer eben gemacht hatte, die er aber nicht in ihrer Brisanz begriffen hatte, nämlich die Idee, ob man vielleicht doch etwas körperbetonenderes probieren solle, aufgegriffen und auf einmal eine ganz andere Farbe ins Spiel gebracht, nämlich dunkelblau. Dunkelblau mag ich auch, sagte ich ein wenig verblüfft über diese Erkenntnis, die ja wahr war, und ich probierte die Hose an, die sie mir reichte und sie passte perfekt, sah perfekt aus, und die wollte ich auch gar nicht mehr ausziehen. Sie müsse da aber noch was abmachen, das würde sonst piepen, meinte sie, Geben Sie mir noch ein paar Sekunden mit der Hose, sagte sie zu mir, und ich wartete in der Kabine hosenlos auf die Hand, die mir die Hose kurz darauf wieder herein reichte, und auf dem Weg zur Kasse, auf dem in dem von mir mitgebrachten orangenen Stoffbeutel mit der Aufschrift passt! meine alte Jeans baumelte, erzählte sie mir von ihren Erlebnissen bei der Düsseldorfer Modemesse neulich und wir lachten kurz über eine Albernheit der aktuellen Mode, die hochgekrempelten Hosenbeine, und ich gab dem Mann an der Kasse, dem Verkäufer Nummer vier, in dessen Gesicht sich ein absolutes Nichtverstehen dessen, was er hier den lieben langen Tag so tat, abzeichnete, meine EC-Karte, tippte meine Nummer ein und ging in meiner neuen schönen Hose befreit durch die Parfumerieabteilung hindurch ins Freie, auf den Jungfernstieg.

Ein guter Verkäufer, eine gute Verkäuferin weiß einen Moment früher als Du selbst, was Du EIGENTLICH willst.

Das war der 8. März, Weltfrauentag.

Salami-Taktik

März 7th, 2012

Frühdienst

kann man schaffen

kann man sogar mögen

Typ in der Bahn heute morgen:

debil, dick, kurzhaarig, gibt unverständliche Laute von sich

und hält in der Hand ein aus lauter leeren Produktverpackungen zusammengeklebtes buntes Maschinengewehr.

Das sah so dämlich aus, dass es schon wieder originell war. Es war auch so sauber und ordentlich zusammengeklebt, dass man ihm selber das eigentlich eher nicht zutraut, das gebastelt zu haben.

Schon bemerkt? Ich verfolge eine Salami-Taktik. Die besteht darin, die Wahrheit scheibchenweise ans Tageslicht zu befördern!

Man will an den Knackpunkt herankommen; man will wissen, worum es eigentlich geht. Darum geht es doch.

Ich schaue mir an: Wie machst Du das, was Du machst

Da ist ein langer Holzbalken und da ist ein Schacht, da sind abandonnierte Sachen, zusammengeschnürt, auch aufgeschnürte Modellrechnungen, Stückwerk und Öllampen, da liegen Kabel, da ist Rauch, aufsteigend in einer Rauchsäule, da ist durchdringendes, kehliges Geschrei und Rumoren, Allgemeines, zugeordnet dem Kapitel oder der Schublade Allgemeines, in den Allgemeinbrei eingerührt, Einführungen sind da in Strategien, in Wurstläden, Rohburgen, Zimmerleute und Sahnetortenfeste, da ist ein Bekenntnis zur Stabilität: Ich stehe für Stabilität, hier zu Hause berauscht in Bausch und Bogen angeranzt in Korkwäldern vorgezeigt die Steckrüben und Pferde, Wacholder und Lothringen und Schaffhausen, Krugmanns Traube, eine Einführung in die Kunst der Senkgrube, ein Wiedergänger, ein Täufer, ein Johannes, und eh ich michs versah ein Schattenboxregiment und eine Anstalt, Fallzahl, Wege, Begierde, Orthodoxie. Jetzt halte ich ein und überlege. Ich breite meinen Plan aus und bin ganz begeistert von der Leidenschaft an der nächsten Ecke, die Fahne aufgepflanzt, und Konzentration auf die Frage, was folgt, eine Rolle, ein Stuhl, eine Spule, eine Schule und eine Konkubine, ein Raufaserdelikt und eine Scheibenwaschanlage, sehr zum Leidwesen und Apodiktum, sehr verworren und begonnen, Viktor war mitgegangen, bei unserem Kegelausflug nach Sasel, Viktor der Wuschelige hat überzeugt und für Stimmung gesorgt, er hatte seine eigene Gruppe verpasst, war zu spät gekommen, angeblich vielleicht absichtlich, durfte dann bei uns mit. Er ist den Weg gegangen mit Zoe, ganz hinten, während Ben mich über Philips Besuch ausfragte. Philip hatte mich nämlich bei der Arbeit besucht. Da überschnitten sich diese beiden Welten plötzlich. Und Gwen wollte ein Foto von Marjorie sehen. Das mit der roten Mütze mit der Spitze, auf diesem Flohmarkt in Berlin.

Sei alles - werde Erzieher!

Februar 25th, 2012

Ich stelle mir vor, wie das gesehen werden würde, wenn man das äußern würde, was man spontan so denkt, ob das klug wäre, das zu äußern, und was eigentlich genau, in welchen Situationen, spontan sein, ein Sponti, das Thema jetzt: Spontanität, ein Kapitel in dem Buch, das Sabine mir geliehen hat, heißt: Sei spontan!, ja, ich weiß, es heißt eigentlich Spontaneität, aber dieses e kommt einem in diesem Wort doch jedesmal komisch vor, das wird sich irgendwann eh erledigen. Fremdwörterlexikon, alte, verstaubte Bücher im Schrank, in hohen Bibliotheksschränken, über Leitern erreichbar, die Buchhändlerin, die Archivarin, die Verwalterin, vorgestellte Frauengestalten, Stereotypen und Stereo-Typen, mit Kopfhörern, swingend, singend, summend, in U-Bahnen, Vorstellungen eben, die einem spontan dazu kommen, zu dem, was man davor gedacht hat, mehr oder weniger zufällig, Abzweigungen des Denkens, Erinnerungen an schon mal begonnene Denkbaustellen, Überlegung, was jetzt zu tun sei: Gewissen. Die Morgensonne, der Morgen, den man nicht verpassen will, man hat ja auch noch so viel vor, das karierte Notizbuch, schon bereit liegend, von Budni, Mühlenkamp, und was die gute alte Dehnkamp wohl dazu wiederum denken würde, und Georg Schramm, und Sam Schramm - durch wen hatte ich den kennengelernt? Durch Regine! Und die? Durch Timo! Und den? Durch die Fachschule für Sozialpädagogik! Und wie bin ich auf die gekommen? Durch eine Werbung in der U-Bahn, für den Erzieher-Beruf (Läuft jetzt auch gerade wieder eine Kampagne, aber viel poppiger als die damalige: “Sei alles - werde Erzieher!”).

Mittwochs haben wir immer Besprechung (außer, sie fällt mal aus). Da wird dann besprochen, was anliegt, was ansteht, was man bei den Kindern beobachtet hat, wie die sich zueinander verhalten usw.

Turmtraum

Im Traum war ich mit einem alten Bekannten, den ich zufällig getroffen hatte, auf einen riesigen Aussichtsturm gestiegen, Dabei hielt er mir scherzhaft einen früheren Lebenswandel vor, bzw. den Lebenswandel dubioser Bakannter von damals. Darauf ich: Das war vor 10 - (ich erschrak) - nein, vor 20 Jahren, Alder, das war vor 20 Jahren! Also, wenn da das Leben irgendwie anders abgelaufen ist, das ist doch wohl NORMAL! Es wäre nicht normal, wenn´s nicht so wäre! Ja, es wäre sogar traurig, wenn´s nicht so wäre!

Es war ein Turm, so hoch, wie ihn niemand von euch je bestiegen hat. Und man konnte in die weite Landschaft schauen.

Kreuzung freihalten

Februar 18th, 2012

Durch eine verregnete Scheibe blickend, bei McDonald´s Dammtor, Doppeldeckerbusse fahren vorbei und dunkelgrüne Abschleppwagen, Thömen Schwertransport, Reifenquietschen an der Kreuzung, eine wehende Fahne auf einem fernen Kran, donnernde Züge über uns, Philip fragt: Wieso hör ich Tatütata? Das Fenster ist doch gar nicht auf. Gegenüber die Shell-Tankstelle und ein über die Straße Eilender mit hellgrauer Pullikapuze, und wieder ein Strom Autos, wieder eine Ladung, eine Einladung und Jakob Augstein versonnenen Blickes auf der Zeitungsseite, auf der ich dies notiere, mangels freien Papiers. Die Zeitung ist voll mit Wulffrücktrittsbildern, -berichten und -kommentaren und aus den Lautsprechern tönt nun Louis Armstrong: When the end comes, I know, I was just a gigolo, life goes on without me… Stehende Fahrräder im Regen und ein Fahrradschild, Sharky ist ein lustiger Pirat, sagt Philip, der Schrecken der Meere, und Autos, Autos und ein Bohren von oben, Arbeiten am Bahnhof, in den dieses Schnellrestaurant hineingebaut ist. Elektrisch wechselnde Reklametafeln, vorbeifahrende Busse in beiden Richtungen und ein Innehalten, ein Aufmerken, ein Horchen auf die Musik aus den Lautsprechern. Man verabredet sich, organisiert gewisse Handlungsabläufe und versucht, irgendwie aus dem Liedtext schlau zu werden. Arbeiter in gelber Neonmontur auf der Kreuzung, Blinklichter, in der regennassen Fahrbahn spiegelnd, da geht was. Theodor-Heuss-Platz steht auf dem Straßenschild, Dammtordamm auf dem anderen. Der Kran hat sich gedreht, der Bus, der jetzt vorbeifährt, ist kariert, die Frau, die jetzt vorbeigeht, führt einen Hund an der Leine und der Regen, der jetzt fällt, ist nass. Wir machen uns bereit für den Aufbruch. Aber jetzt hat Philip wohl noch einen Bekannten getroffen, der da hinten ruft: Philip, my friend! Der Toilettenmann vom letzten Mal. Und Philip kommt zurück mit einer Frucht, die essen wir noch und tanzen. Wir gehen raus. Ah, die gute Regenluft! Ein Schild sagt: Kreuzung freihalten