Buchstabendesigner an´s Werk!
April 16th, 2012Es fehlt noch ein Buchstabe für einen Laut, den wir in der gesprochenen Sprache hin und wieder verwenden, typischerweise in Gesprächssituationen, in denen der Gesprächspartner etwas von ihm als problematisch empfundenes zu bedenken gibt, das man aber lässig an sich abprallen lässt, indem man die Lippen aufeinander legt und dann schnell Luft hindurch stößt, wodurch die Lippen flattern und dabei diesen charakteristischen Laut erzeugen, zu dem mir jetzt ein passendes Zeichen fehlt, um es ohne langes Herumgeschwafel zu bezeichnen, und der manchmal überzeugender rüberkommt, als jede noch so ausgeklügelte Argumentation. Der Laut fängt zwar mit p an, aber für das Flattern, das dann kommt und das ja das Wesentliche an dem Laut ist, gibt es noch keinen Buchstaben. Also - Buchstabendesigner, frisch an´s Werk!
Zur Diskussion
Es gibt eine Sendung im Deutschlandfunk, die kommt immer Mittwoch abends , die heißt Zur Diskussion. Diesmal haben sie über Israel und Iran geredet, über geopolitische Strategien. Ich kann mich wunderbar entspannen bei solchen Sendungen. Dass ich besonders konzentriert hinhören würde, kann ich nicht behaupten. Nein, eher dezentriert, eher lasse ich die Gedanken schweifen, lasse die Gedankenluftballons steigen. Zwischendurch höre ich auch immer mal wieder genauer hin, was diese kompetenten Herren sich zu sagen haben, aha, interessant, nee, meine ich gar nicht ironisch, ich schalte die Sendung ja bewusst und gezielt ein, aber eben nicht mit dem Anspruch, die ganze Zeit gedanklich am Ball zu bleiben, das gelingt mir ja auch bei Fußballspielen nicht, und auch nicht bei Krimis, sondern mehr in dem Wissen, davon angenehm angeregt zu werden, auch einfach, weil ich diesen Soundteppich der Stimmen gern um mich habe, aus dem immer mal wieder prägnante Begriffe aufblitzen, die einen dann doch noch begleiten. Man lässt es laufen, weil man das Gefühl hat, es stimmt so. Ich mag zum Beispiel auch die knarzige Altmännerstimme von diesem Peter Philipp, der diesmal die Moderation inne hat, aus der seine Lebenserfahrung spricht. Und er hat sich ja auch eine wirklich illustre Runde von Fachleuten eingeladen, zum Teil ins Studio, zum Teil zugeschaltet, mit denen er da fachsimpeln kann. Das hat ein bisschen was von einem Club älterer Herren, die sich schon lange kennen und die sich regelmäßig an einem Abend in der Woche zum Schachspielen und Fachsimpeln treffen, oder so ähnlich. Constanze Stelzenmüller hätte noch ganz gut in die Runde gepasst, die kennt sich mit so geostrategischen Fragen ja auch ganz gut aus. Und dann ist die Sendung auf einmal an einem vorbei gerauscht. Auch okay. Ich gehe noch schnell zum Lidl, Kaffee holen, bevor der zu macht.
alles
Immer wenn der Name Luhmann fällt, sagt Stefan: Wer alles beschreibt, läuft Gefahr, nichts zu beschreiben.
Mag sein. Aber wenn man´s gut macht, hat man die Gefahr umschifft.
Also, ich mag Luhmann, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sogar mehr. Ich weiß ja, dass er mit seinen Texten viele (auch Gutwillige) zur Verzweiflung bringt, viele entnervt das Weiterlesen aufgeben lässt, und viele gleich achselzuckend kalt lässt. Die Leute wollen halt schnelle Effekte, wollen plastische und drastische Darstellungen. Mit dieser Gier wird man natürlich bei Luhmann nicht fündig und auch nicht glücklich. Dann muss man sich eben anderen Dingen zuwenden - die die Gesellschaft ja auch massenhaft bereit hält. Also, jedem das Seine. Aber mir nur das Beste, zwinker, zwinker, und Prost! Und ab die Post!
Nein, man muss ja auch nicht Luhmann lesen. Es sei denn, es stört einen, dass man dann später in die Hölle kommt… oder, sagen wir , etwas verniedlicht: in Teufels Küche. So, und jetzt könnt ihr mich auch mit Fug und Recht einen Fundamentalisten schimpfen!
Pikachu
Seit vielen Jahren habe ich ein Pikachu an der Wohnungstür. Jetzt hat irgend jemand ein Pikachu gezeichnet und in den Hausflur geklebt. Witzich.
nicht nichts
Reset! Zurück zum Leerzustand, lautet die Devise, aber gleich korrigiert man sich, weil man genau weiß, dass der spontan als Leerzustand bezeichnete Zustand in Wirklichkeit kein Leerzustand, sondern einer ist, in dem das auf einen wartet, was einem wirklich wichtig ist. Es ist ein reduzierter Zustand, einer, der sich auf das Wesentliche beschränkt. Manchmal ist weniger mehr. Ich kann die Dingwelt nicht mehr ertragen!, sagte Zebu. Und hatte es tatsächlich fertig gebracht, in seinem Zimmer fast keine Sachen zu haben. Ich weiß gar nicht, wie er mit bürgerlichem Namen hieß. Er hatte sich mit Dirk eine Wohnung und einen orangen Golf geteilt. Theatermensch. Zebu, wo hast du deine Sachen versteckt? Braucht der Mensch Sachen? Das frage ich Dich!
Alle möglichen Konstellationen fliegen durch die Luft, Konstellationen der Leistungsgesellschaft.
Ich wollte mich jetzt eigentlich gar nicht darauf einlassen.
Die grüne Insel
Sumpfpfade
Trockenheit
Wahrheit
Widrige Umstände? Na, immer her damit! Na gut, ein gewisses Maß sollten sie vielleicht lieber doch nicht überschreiten. Aber ansonsten - gilt doch der alte Spruch Was uns nicht umhaut, macht uns nur stärker! Kann man doch wunderbar daran reifen. Café Widrige Umstände. Widerlich! Küsschen! Fight for your right! to paaar-ty! Der Körper ist wie ein Tier. Aber im Unterschied zu den Tieren - sind wir ja nicht nur Körper - oder? Muss alles immer wieder neu bewiesen werden? Auf A- und B-Wiesen? Und auf steinernen Plätzen, in Wüsten, Oasen und Kloaken, von Kosaken und Mackern und magersüchtigen Models und Loddls, auf Radio Lollipop, pop-pop-pop music.
urbi et orbi
oder:
Bibo und Grobi
in der Wüste Gobi
Man will doch nur, dass es irgendwie schlüssig wirkt, was man macht, dass es einleuchtet.
Es ist gut, verschiedene Meinungen zu hören. Und zu erleben, dass alle diese möglichen Meinungen, die so in einem herum spuken, auch tatsächlich von echten Personen vertreten werden, gelegentlich. Und von solchen waren sie ja wohl auch mal in einen rein gekommen.
Inzwischen sind natürlich an diversen Orten, an denen man so ein und ausgeht, besonders zu nennen wäre da beispielsweise der Arbeitsplatz, schon wieder neue Sachen passiert. Und die harren jetzt also quasi eines Nachziehens der kognitiven Verarbeitung. Sie wollen verstanden werden. Das ist dann für alle besser. Zum Beispiel für die, die da im Büro auftauchen. Die vor Glastüren stehend auf Einlass warten. Die, die sich in Listen eintragen, für die, die backen, für jenen Mann, der da über den Hof geht, mit einem Müllsack, der mal von weit her kam, Sporthalle, Hand, die zur Sporthalle weist, quer über den Hof, der Weg führt vorbei an steinernen Tischtennisplatten, an Kletterbäumen und Nichtkletterbäumen, an Kletten und Träumen, an ausgehobenen Schächten, freigelegtem Wurzelwerk, Blätterwerk, an Geäst, an Gestühl, und an einer Mühle. Und an einer Kanüle. Und an einem Kanal. Und an einem Kamel. Und an Knete. An einem Knoten. Und an Koyoten und Kolibris. An Kulis, an Kofferträgern, an Füllern und Fühlern. Und natürlich an Schülern. Einer schaut einen fragend an. Ein anderer kommt über das Stoppelfeld gehastet.
Manche Tage betrachtet man als Vorbereitung
Gong))),
Gong))),
Gong))) -
So tönte es von der Matthäuskirche. Die Kirchturmspitze zeigt in den Himmel, der Zeigefinger zeigt auf den Kirchturm, wo der Klang her kommt, und nicht nur der Gongklang kommt, sondern auch Herr Dembele kommt, unten auf den Hauseingang zu, schaut hoch, und da wir uns grüßen, fragt Philip: Wie heißt er? Und da ich nur den Nachnamen weiß, sage ich: Du kannst ihn gleich fragen, er kommt hier gleich vorbei, und da taucht er auch schon auf dem Treppenabsatz auf, der zu dem Treppenhausbalkon führt, auf dem wir stehen und in die Gottschedstraße hineingeschaut haben, die orthogonal auf den Possmoorweg trifft. Hallo! Wie heißt du? - Ousmane. Und du? - Philip. - Und wie alt bist du? - Fünf. - Fünf schon? Du hattest mir von ihm erzählt, als er geboren wurde. - Stimmt, da hatten wir uns mal an der Grindelallee getroffen, wo er gerade aus einem Lieferwagen stieg. Kommt mir vor, als wär´s letzte Woche gewesen. Kinder, wie die Zeit vergeht…